Gemeinderat, ab in die Maske!

Das ist ebenfalls Kommunalpolitik 2.0; oder vielleicht präziser: Regionalpolitik 1.8. Denn eine Liveübertragung einer Plenarsitzung in Bild und Ton ist eigentlich kein großes Kunststück: Videokameras kosten kaum noch etwas – und jedes Smartphone bringt ab Werk schon eine ordentliche Videofunktion mit. Die Übertragung von Ton ist technisch eine eher leichte Übung, und Streaming-Server braucht man streng gfenommen auch nicht mehr: Facebook und Google+ eignen sich für Video-Übertragungen; die Technik ist da.

Der Zugang zur hessischen Landespolitik ist ab Dienstag, 29. Januar, für alle Hessen noch einfacher möglich: Hit Radio FFH überträgt dann die Debatten des Hessischen Landtags erstmals für alle Bürger live im Internet. Der Ältestenrat des Parlaments hat beschlossen, dass der private Radiosender die Plenarsitzungen in Zusammenarbeit mit dem Landtag in Bild und Ton überträgt.
(Quelle: Journal Frankfurt)

Das Problem ist der politische Wille: Will das Parlament oder der Gemeinderat, dass jeder Bürger der politischen Willensbildung und Auseinandersetzung sowie der Genese von politischen Entscheidungen im Netz zusehen kann – oder eben nicht. Soll man der Demokratie bei der Arbeit zuschauen: Ja oder Nein.

Um ein klares Statement abzugeben: Die öffentlichen Sitzungen und Beratungen sind – das sagt der Name – öffentlich. Sie müssen es sein, denn nur so, transparent für alle, funktioniert Demokratie. Also ist eine Liveübertragung ins Netz nicht viel mehr als eine weitere virtuelle Stuhlreihe auf der Zuschauerempore. Dem Gemeinderat von zu Hause aus zuschauen, sich eine eigene Meinung bilden – das ist der erste Schritt zu kommunalpolitischem Interesse vom Wohnzimmer aus. Ist das Interesse erstmal geweckt, folgt unter Umständen der nächste Schritt: Man findet Gefallen am kommunalpolitischem Engagement und wird selbst aktiv. Nur, weil der Gemeinderat „zu mir nach Hause“ gekommen ist.

Auch das ist die Kraft der „Kommune ZwoNull“.

Vom Web Two-O zur City 2.0

Ich habe ja schon vor längerer Zeit den Zusammenhang von Mitmach-Web und Mitmach-Stadt behauptet, und ich werde überhaupt nicht müde, das wieder und wieder zu postulieren. Am Montag, 3. Dezember, bei denen, die sich mit Stadtsoziologie und politischem Kulturwandel so gut auskennen, dass sie beides erforschen: beim DIFU in Berlin.

Der Zusammenhang ist einfach: Menschen möchten selbst gestalten – im Netz und in der Stadt. Sie möchten selbst Verantwortung übernehmen und Entscheidungen nicht mehr nur an „die Politik“ oder „die Internetredaktion“ delegieren. Nein, sie wollen und sollen sich einmischen und selbst Content beitragen, selbst Hand anlegen in ihrer „Gebietskörperschaft“.

Wie in Frankfurt politisch intendierte Bürgerbeteiligungsprozesse und aktive Forderungen zu mehr bürgerschaftlichem Engagement zusammenfallen und das Social Web dabei ein Abbild dieser partizipativen Idee im Netz ist, fasse ich unter den Begriff „City 2.0“. Okay, dieser Begriff wird gerne von Vielen gehijackt, um irgendetwas Innovatives im urbanen Zusammenleben zu labeln, etwa: Vernetzung, Verkabelung, WLANisierung… Aber ich denke, dass die Analogie zu „Web 2.0“ den Begriff gut begründet und ihn vor allem kulturell verstanden wissen will, nicht – überhaupt nicht! – technisch.

Das Social Web ist nichts anderes als eine Kulturrevolution hin zu mehr Mitsprache und dezentraler, verteilter, „gesharedter“ Verantwortungsübernahme der Stakeholder selbst. Also das Gegenteil der Null-Bock-Haltung, die meiner Generation der 89er (ich bin kein Soziologe und hoffe, mich richtig einzuschubladen) so gerne unterstellt wurde. Mitmachen und Ärmel hochkrempeln – und nicht auf die Behörden warten: Das ist City 2.0. Der Einzelne wird zum aktiven Player, das bürokratische „Verwalten“ von gesichtslosen Groß-Bürger-Einheiten hat dort nichts mehr zu suchen, weil es dort nichts mehr finden wird.

„City 2.0“ ist eine Reform der Gemeindeverwaltung hin zu mehr „Geselligkeit“ – und die Verwaltung im Rathaus hat wieder mehr Zeit und Kraft für ihre Kernaufgaben. Eigentlich ein zutiefst helvetisches Modell, diese „City 2.0“, oddr?

Ich glaube, ich muss mich mal wieder von der Stadt Zürich dazu einladen lassen… ;-))

Auf dem Weg zur „City 2.0“

„Ich will Dein Freund sein“: So denken Behörden selten. Sehr selten, leider. Das Netz denkt so. Wer sich für unsere Status-Updates, amtliche 140-Zeichen-Lyrik und die Links interessiert, die wir weiterempfehlen, darf sich unser „Freund“ nennen. Oder „Fan“, was noch viel besser ist, weil wir nicht einfach nur wahrgenommen, sondern dann sogar vielleicht verehrt werden. Fans sind noch enthusiastischer, unkritischer, positiver gestimmt – und das kommt Behörden grundsätzlich sehr suspekt vor. Weiterlesen