Die Verwaltung auf dem Tablet

Die schönsten Fotos des Dorffests stehen auf der kommunalen Website, die Freiwillige Feuerwehr hat einen schön illustrierten Fahrbericht mit dem nigelnagelneuen Löschzug hochgeladen, der Dorfjubilar erzählt aus seinem an Anekdoten reichen Leben – aber kaum jemand liest die schönen Geschichten?! Klar: Man verirrt sich nur selten auf eine kommunale Internetpräsenz. Wenn man die neuesten Müllabfuhrtermine wissen muss, oder die Öffnungszeiten der Stadtbibliothek, dann vielleicht – aber sonst?

Webseiten sind „Holmedien“ – weil man sich die Informationen dort aktiv holen muss. RSS-Feeds erweiterten die Webseiten um einen „Bring-Service“: Sie liefern die aktuellsten Meldungen automatisch aus; fast wie eine E-Mail. Und zeigen diese Meldungen oft eher spartanisch, auf Tablet-PCs aber in erstaunlich ambitioniertem Layout an. Und das oft völlig kostenlos!

Drei Apps, die sowohl auf iPads wie auf Android-Geräten für schiere Lesefreude sorgen, sind Flipboard, Pulse und Google Currents. Wir stellen alle drei mobilen RSS-Reader mit dem jeweils besonderen Etwas etwas genauer vor.

Pulse ist ein Feedreader, der auf vielen Android-Tablets bereits vorinstalliert und technisch der simpelste ist. Pulse sucht sich die drei aktuellsten Meldungen einer Website und zeigt die Headlines im jeweiligen Teaserfoto an. Einige wichtige Inhaltslieferanten sind schon voreingestellt, etwa BILD, FAZ oder ZEIT. Man kann aber jeden möglichen RSS-Feed einfach mit einbinden und sich so die jünsten drei Neuigkeiten der heimischen Stadtverwaltung in einer ansprechenden Übersicht auf sein Tablet holen. Allerdings ist Pulse kaum mehr als eine Übersichtsseite – die Originalartikel bleiben auf der Original-Website liegen, dort muss man sie lesen – und Pulse stellt letztlich nur den Link auf die Original-Website bereit. Das ist etwas schade für die Leser, weil die Texte nicht an die Bildschirmgrößen und Fingerwisch-Möglichkeiten von Tablets angepasst werden. Die Webseitenbetreiber hingegen freut es: Sie bekommen Leser via Pulse direkt auf ihre eigene Website geleitet.

Flipboard ist weitaus ambitionierter: Die App, die sich „Social Magazine“ nennt, macht auf dem iPad richtig Laune, weil sie das besondere „Fingerwisch“-Gefühl genial umsetzt: Große und kleinere Fotos, längere Teaser, Text-im-Bild-Spielereien – und der besondere Clou: Beim „Durchwischen“ klappen die „Seiten“ optisch exakt in der Mitte um. Das sieht nicht nur großartig aus, es gibt den Lesern auch das unbeschreibliche Gefühl, mitten in die Seiten reingezogen zu werden, selbst Teil der erzählten Geschichten zu sein. Die Flipboard-App liest im RSS-Feed nicht nur Headline und Anreißer-Text aus, sondern holt sich den kompletten Artikelinhalt inklusive Foto – und stellt die Inhalte in einem sehr schicken Magazin-Layout dar. Meist sieht die Flipboard-Variante besser, professioneller, aufgeräumte rund stylisher aus als das Original. Und lädt extrem zum Schmökern ein. Flipboard eignet sich also vor allem für Kommunen, die interessante längere Texte mit schönen großen Fotos auf ihrer Webseite anbieten. Auf dem iPad liest man diese dann gleich doppelt so gerne…

Google Currents ist, wenn man so möchte, die Google-Variante von Flipboard. Wie von Google bekannt etwas zurückhaltender in der grafischen Anmutung, bietet Google Currents Autoren und Inhalteanbietern aber mehr Möglichkeiten als die „reinen“ Feed-Reader Pulse und Flipboard. Bei Google Curents können Autoren nämlich eigene „Magazine“ aus mehreren Quellen zusammenstellen – und dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um „echte“ Artikel, eine Flickr-Bildergalerie oder die jüngsten Tweets handelt. Alles, was einen RSS-Feed anbietet, kann in einem eigenen Google-Currents-Magazin zusammengebunden werden. Das zeilengenaue Umbrechen der Spalten, die passende Anordnung vonm Fotos und Texten auf der Titelseite übernimmt dann Google automatisch. Das Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt am Main bietet seine Inhalte für mobile Endgeräte gebündelt in einem eigenen Google-Currents-Magazin an und nennt es „seinen mobilen Social Media Newsroom“… Ein kleiner Nachteil von Google Currents sei nicht verschwiegen: Erst, wenn das eigene Magazin mindestens 200 Abonnenten gefunden hat, zeigt Google es automatisch in seiner „Abonnierliste“ an. Bei weniger Abonnenten muss man noch selbst Werbung für sein Magazin machen.

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